Meine Wikinger

Samstag, 28. Januar 2012

Spielstraßen: Der Parkplatz

Zu einem richtigen Straßennetz gehören auch Parkplätze, daher gibt es von den Spielstraßen ein Set von sechs Karten, die zusammen einen großen Parkplatz mit Zufahrt und Zebrastreifen ergeben. Theoretisch ließe er sich auch noch vergrößern, wenn man das eine Mittelteil mehrfach verwendet.
Auf einem solchen Parkplatz, wie hier am Rande eines Geschäftsviertels, passiert mehr als man denkt. Es ist mehr als nur ein Platz auf dem Autos abgestellt werden, es ist auch der Schauplatz kleinerer und größerer Dramen, eine Bühne für fahrerische Glanzleistungen beim Einparken und für Parkversuche über die man besser schweigt. Die Menschen dort sind nicht nur einfach Fahrer und Passagiere, sondern jeweils eigene Persönlichkeiten, die ihre eigene Geschichte haben und diese erzählen, wenn man sie nur aufmerksam genug beobachtet.

Beginnen wir mit dem Ehepaar Becker am grünen Opel Caravan. Vom sicherlich nicht erholsamen Einkauf zurückgekehrt stehen sie wieder am Auto, sie mit zwei Taschen und einem Buch unterm Arm, er mit Aktentasche und ihrem neuen Mantel. Wie zwei Kontrahenten stehen sie sich gegenüber: "Aufschließen? Ich dachte du hast den Schlüssel!" Als würde dies noch nicht für genug Spannungen sorgen, hat Herr Becker natürlich längst die beiden eleganten Coupes rechts und links von seinem Kombi entdeckt. Sowas würde er ja viel lieber fahren, aber mit Familie braucht man halt Platz. Auch Frau Becker sind die Nachbarn nicht entgangen, was zu der Frage führt, wer sich bloß für dieses maigrün entschieden hat, rot wäre doch eine viel schönere Farbe. Man müsse sich nur mal auf dem Parkplatz umsehen, lauter schöne rote Autos...


Etwas weiter rechts wartet Herr Fischer in seinem Käfer am Fußgängerüberweg. Nicht nur, dass der Strom an Fußgängern kaum aufzuhören scheint (bis der Kinderwagen vorbei ist, kommen von links die nächsten), jetzt muss er auch noch auf Fahrradfahrer aufpassen. Die haben hier ja nun wirklich nichts zu suchen. Dazu kommen noch so unaufmerksame Fußgänger wie der Herr rechts, der in der Zeitung liest während er läuft. Kein gutes Vorbild!
Neidisch blickt er auf das Pärchen vor ihm im korallenroten Cabrio. Zwar auch ein Käfer wie seiner, aber bei gutem Wetter einfach das Dach aufmachen zu können wäre schon schön...


Noch am Anfang ihrer Einkaufstour sind Herr und Frau Schreiber, aber auch hier bauen sich erste Spannungen auf. Herr Schreiber hat gerade erst seinen Opel Kapitän abgestellt, da darf er sich schon Vorwürfe anhören. Leider ist nicht zu verstehen worum es geht. Vielleicht stört es sie, wie schlampig ihr Mann wieder eingeparkt hat. Selbst wenn die Parkplätze zu kurz und ungewöhnlich breit sind, sollte das doch besser machbar sein. Vielleicht hat sie aber auch das Zeichen unter dem Auto entdeckt, das diesen Parkplatz als Behinderten-Parkplatz ausweist. Sie hat zwar selber keinen Führerschein, meint aber gehört zu habe, das dort nicht jeder parken darf. Herr Schreiber steht ruhig da, die Hände in den Manteltaschen, und wartet ab, bis seine Frau fertig ist mit ihren Vorwürfen. So etwas scheint bei den beiden wohl öfter vorzukommen.

Doch es gibt auch Leute die nicht zum Einkaufen oder sonstigen Vergnügungen hierher gekommen sind. Dazu gehört z.B. der Postbote der hier seinen VW Transporter einfach auf dem Gehweg abgestellt hat. Mit einem Handkarren liefert er seine Pakete aus und hat keine Augen für die Schaufenster um ihn herum. Ganz anders die Familie Hansen rechts im Bild, gemeinsam betrachten sie die Angebote des Zweirad-Geschäftes. Drinnen gibt es eine beeindruckende Auswahl an Fahrrädern und Motorrollern auf drei Stockwerken, da sollte doch etwas passendes dabei sein. Nur der Preis sorgt natürlich für Diskussionen, viel gibt das Konto nicht her.

Anders sieht es wohl beim Besitzer dieses schwarzen Mercedes 300 aus. Dank Chauffeur entfallen sowohl Fahrstress als auch Parkplatzsuche. Stattdessen wird dem Umfeld gezeigt 'seht her, ich bin erfolgreich. Ich kann mir so etwas leisten'. Woher er sein Geld hat ist nicht bekannt, vielleicht gehört im ja sogar eines der Unternehmen oder Geschäfte in diesem Viertel. Neidische Blicke sind ihm jedenfalls sicher.

Weiter geht es zur Familie Petersen, die zu viert vom Einkaufen zu ihrem Opel Caravan zurückkehrt. Der kleine Michael ist als erster am Auto, scheitert ohne Schlüssel aber an der verschlossenen Tür. Seine Eltern müssen erstmal an den Kofferraum, um die Einkäufe und den Kinderwagen zu verstauen. Verständlich, dass das Michael zu lange dauert. Er will nach Hause, der Einkauf hat ihm keinen Spaß gemacht, wieder hat er nicht bekommen was er wollte. Ob die Eltern Spaß hatten darf bezweifelt werden, aber eine Betreuung für die Kinder hatten sie nicht gefunden, also mussten beide mit zum Einkaufen.

Gegenüber parkt Herr Richter gerade sein Mercedes Cabriolet aus. Der Schulterblick muss dabei leider entfallen, sein Hals ist dazu zu steif und auf seine Frau als Einweiserin wollte er sich lieber nicht verlassen. Aber zum Glück ist hinter ihm frei und durch den Rückspiegel hat er ja dank fehlendem Dach freie Sicht nach hinten. Der soeben gekaufte Koffer für die nächste Reise ist auf der Rückbank verstaut, die restlichen Einkäufe passten zum Glück in den Kofferraum. In einem solchen Cabrio präsentiert man sich lieber mit einem aufgeräumten Innenraum, schließlich hat jeder ungehinderten Einblick. Bei dem nebenan stehenden 190SL wäre das mit dem Koffer wohl eng geworden. Schön und schnell mag er ja sein, aber bei der Alltagstauglichkeit hapert es dann doch.

Damit ist der Rundgang über den Parkplatz beendet. Wenn ihr demnächst mal an einem solchen Parkplatz seid und etwas Zeit habt, bleibt einfach ein bisschen stehen und beobachtet, es gibt so einiges zu entdecken ;-)

Kommentare:

  1. Hallo Carsten,
    eine herrliche Geschichte, wunderschön bebildert. So richtig was zum schmunzeln.
    Dazu fällt mir ein, daß wir unsere IKEA-Besuche zum Abschluss immer mit einem Kaffe am Fenster zum Parkplatz krönen, auf dem sich dann ähnliche Szenen und Dramen abspielen!
    Also so richtig aus dem Leben gegriffen.
    Vielleicht noch ein Vorschlag zum Beitrag:
    Die Texte zu den Bildern unter das Bild zu setzen erleichtert das lesen.
    Freut mich, daß es hier endlich mal wieder etwas neues zu lesen und gucken gab. Gerne mehr davon! ;o)
    Gruß
    Martin

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Martin,
      der IKEA-Parkplatz ist ein schönes Beispiel, da kann man so einiges beobachten. Ob das Absicht ist, dass das Restaurant diesen Blick bietet?
      Ich habe die Texte jetzt unter die Bilder gesetzt, vielleicht liest es sich so besser.
      Dieser Beitrag ist bereits der dritte nach der Pause, ich hoffe du hast die anderen beiden nicht übersehen ;-)
      Gruß,
      Carsten

      Löschen
    2. Hallo Carsen,
      mein Kommentar bezog sich selbstredend auf alle 3 neuen Beiträge. Die anderen beiden Beiträge sind mir nicht entgangen und ich behaupte mal, daß ich bestimmt jeden 2. Tag hier rein schaue.
      Wenn Du bei Deinem Beitrag zum Gelben Katalog dem gesetzten Link auf meine Seite schaust, wirst Du feststellen, daß ich auf Deine Seite ebenfalls einen Link gesetzt habe! ;o)
      Allerdings lassen sich auf Deiner Seite einzelne Beiträge nicht verlinken. Schade.
      Gruß
      Martin

      Löschen