Meine Wikinger

Freitag, 22. Juli 2011

Wiking on Tour: Gastbeitrag

Nachdem bisher alle Fotos bei "Wiking on Tour" von mir waren, gibt es diesmal etwas Anderes. Als meine Schwester Ostern zu Besuch war, nahm sie ein paar meiner Modelle mit, um mal selber Fotos zu machen. Es handelt sich hierbei um andere Modelle als sonst, da sie aus meiner Verkaufskiste stammen.
Ich finde, sie hat ihre Sache durchaus gut gemacht. Hier eine Auswahl ihrer, von mir bearbeiteter, Bilder:
Rolls-Royce Silver Shadow auf einer Orgel-Tastatur
Land Rover in der Wildnis mit "Riesenameisen"
Hungriger Jaguar Sport ;)
Ein bunter Strauß Wiking
Eine Blume für Isabella
Isabella - "die ewig Schöne"
Blick von der Teufelsmauer (mit Fokus auf das Wesentliche)
Zweimal Absturz eines Rolls-Royce Silver Shadow
Das Modell hat es natürlich überlebt.

Sonntag, 19. Juni 2011

"Die Stunde Null, Ende und Neuanfang"

Bereits seit ein paar Jahren gibt es von Wiking immer wieder mehr oder weniger sinnvoll zusammengestellte Sets, in denen häufig alte Formen wiederverwendet werden, z.B. die Wirtschaftswunderjahre-Serie, die Wiking-Meilensteine und weitere. Die Idee selber ein Set zu gestalten war schon länger da, virtuell gab es da ja auch schon mal eines ;)
Virtuelles Set, erstellt 2006 nach einer Idee im alten Wiking-Forum
Bisher fehlte aber eine überflüssige Schachtel und ich wusste nicht wie ich den Einleger selber herstellen sollte. Bei einem Sammlertreffen in Porta Westfalica bekam ich aus einer Restekiste ein unvollständiges Set "Die Wirtschaftswunderjahre - auf deutschen Bauhöfen". Die Schachtel war nun da und mangels besserer Ideen nahm ich für den Einleger Schaumstoff, wie Wiking dies früher bei Werbe- oder Geschenkpackungen getan hatte. Mit einem Skalpell ließen sich die Aussparungen für die Modelle herausschneiden. Die "Bedruckung" wurde mit Word erstellt und das Papier mit Magic Charts an der Schachtel fixiert, dadurch lässt es sich leicht entfernen und ggf. ersetzen.
Zum 66. Jahrestag des Kriegsendes in Europa häuften sich Ende April /Anfang Mai die Dokumentationen dazu im Fernsehen und es entstand die Idee daraus eine Schachtel zu gestalten. Leider wurde sie nicht mehr rechtzeitig fertig um sie zeitgerecht hier im Blog zu präsentieren, daher nahm ich dieses "Handmuster" im Mai mit zu einem Sammlertreffen in Wiesbaden.
Ich habe versucht die Packung so realistisch wie möglich zu gestalten, Gestaltung, Schriftart (Times New Roman bzw. Reporter) und Formulierungen orientieren sich möglichst genau an den originalen Wiking-Schachteln. Die Packung heißt "DIE STUNDE NULL / Ende und Neuanfang..." und zeigt die damalige Zeit aus Wiking-Sicht. Sie enthält je einen Vertreter der drei Bereiche aus der (Vor-)Kriegsproduktion (Heer, Schiffe, Flugzeuge), einen Steckkamm als Übergang und Vertreter der unmittelbaren Nachkriegsproduktion, sowie drei Drahtachser (Jeep, Käfer, MB Diesel) aus den Anfängen der Verkehrsmodelle als Vertreter des Neuanfangs.
Auf dem Titel ist, neben dem Titel und der üblichen Formulierung unter dem Bild, eine Montage eines schwarz-weiß Fotos, das ein Wrack vor dem Brandenburger Tor zu Kriegsende zeigt, sowie ein Farbbild von Trümmerfrauen bei Aufräumarbeiten, jeweils stellvertretend für Ende und Neuanfang.

Auf der Innenseite des Deckels folgt der übliche Erläuterungstext zum Hintergrund der Packung und wie dies mit Wiking zusammenhängt. Dazu noch eine Abbildung eines sehr frühen Nachkriegsprospektes von Wiking.
Die Modelle sind in ausgeschnittene Aussparungen eingesetzt. Die Packung ist in drei Teile geteilt, links (Vor-)Krieg, dann der Übergang, rechts die Nachkriegszeit.

Auf der Rückseite sind wie bei allen diesen Packungen die enthaltenen Modelle in Originalgröße einzeln abgebildet und beschriftet. Der Fußbereich stammt von der erwähnten Bauhofpackung.

Ich habe zu dieser Packung einige positive Rückmeldungen und auch eine Bestellungsanfrage erhalten, eine Umsetzung seitens Wiking halte ich jedoch leider für unwahrscheinlich. Es wäre allerdings durchaus interessant, ob die Formen für die verwendeten Modellen noch vorhanden und funktionsfähig sind. Bei den Vorkriegsmodellen ist es zwar unwahrscheinlich, einige (Flugzeug-)Formen wurden allerdings (teils umgebaut) auch nach dem Krieg noch weiter verwendet, möglich wäre es also. Auch die Kämme, Knöpfe usw. könnten noch im Archiv liegen, aber wenn, dann wohl ganz weit hinten. Beim MB Diesel bin ich mir nicht sicher, wurde er zu der vereinfachten Version mit geschlossener Stoßstange umgebaut oder handelt es sich um eine der frühen Bronze-Formen? Diese dürften aufgrund ihrer geringen Haltbarkeit wohl kaum erneut zu verwenden sein. Der Jeep und der Käfer müssten in ihrer jeweils letzten Drahtachser-Version auch noch da sein. Bisher wurde allerdings noch nie ein Drahtachser neu aufgelegt. Ob das an der Montage, den Formen, oder etwas anderem liegt, weißt ich nicht. Das älteste neu aufgelegte Modell dürfte die Ju 52 aus der Tempelhof-Packung sein.
Die enthaltenen Modelle
Bleibt noch die Frage, ob eine solche Packung von Wiking überhaupt gewünscht ist. Möchte man sich mit seiner Geschichte derart auseinander setzen? Möchte man eine Schachtel verkaufen die Militärmodelle des Dritten Reichs enthält? Ich weiß es nicht, aber es wäre auf jeden Fall mal etwas anderes und keine weitere Neuauflagen-Ausführung altbekannter Modelle.
Ich würde sie kaufen! ;-)

Wiking im Ausland: USA Teil 2

Nach dem ersten Teil nun die weiteren Importeure in den USA.

MB Betonmischer in Walther Verpackung
(Bild von hansi100 aus dem alten Wiking-Forum,
hier gesichert, da dieses abgeschaltet wird)

Walthers:
Walthers ist ein Modellbahnhersteller aus Milwaukee, Wisconsin, und wurde 1932 gegründet. Laut eigener Aussage ist Walthers heute der weltweit größte Händler von Modellbahn-Zubehör und vertreibt neben den eigenen mehr als 200.000 Produkte von über 300 verschiedenen Herstellern weltweit. Auch Wiking gehört noch immer dazu.
Leider ist mir nur ein von Walthers in den USA vertriebenes Wiking-Modell bekannt, eine Preisliste liegt nicht vor, daher ist nur bekannt, dass Walthers in den 1980er Jahren Wiking-Modelle importierte. Dabei wurde eine eigene Verpackung genutzt, eine bedruckte Pappe, an die ein Plastikbeutel getackert ist.
Wiking-Sammlern ist Walthers vermutlich eher durch die alte Planierraupe bekannt. Diese wurde, ohne Räumschild, von Walthers in gelb bzw. chromgelb in einem eigenen Set vertrieben. Verpackt in einer bunt gestalteten Stülpschachtel und ausgestattet mit einem Sonnenschirm (liegt zum Ausschneiden bei und wird mittels Stecknadel befestigt) diente sie als 'CAT' (Raupenschlepper) für den Walthers "Circus-Train". Es handelt sich hierbei um ein speziell für Walthers gefertigtes Modell.
Links ein Bild der Packung mit Erläuterung, Schirm zum Ausschneiden, Modell (Stecknadel hinterm Sitz eingesteckt), Seidenpapier und Nassschiebe-Beschriftungen. Laut dem beiliegenden Text dient 'CAT' in den USA als Synonym für die Raupen- und Radschlepper beim Zirkus, da diese häufig von Caterpillar stamm(t)en.


W.R.W. Imports:
W.R.W. Imports aus Denver, Colorado, ist ein reiner Importeur, der Modellspielwaren aus der ganzen Welt in die USA importierte. Mir liegt eine Preisliste  von 1977/78 vor (s.u.), die neben Wiking-Autos (auch in Spur N) noch Modelle von EKO (heute Vertrieb über Walthers, hier scheint es noch die alten Modelle zu geben!), Hasegawa (heute Vertrieb über Faller), EIDAI GRIP, Fujimi und Matchbox anbietet. Es handelt sich hauptsächlich um Militärmodelle in verschiedenen Maßstäben, allerdings sind, wie von Wiking, auch zivile Modelle im Angebot. Wie bei Stevens International werden wieder die Wiking-Bilder zur Illustration verwendet. In der Zeitschrift SCALE MODELER von 1973 wird erwähnt, dass W.R.W. Imports zahlreiche Modelle aus den kommunistischen Ländern im Angebot hat. Auch hier dürfte es sich hauptsächlich um militärische Modelle gehandelt haben.
Heute scheint es diesen Importeur nicht mehr zu geben, über Zeitraum und Verpackung der Wiking-Modelle ist mir nichts bekannt.

Nathan R. Preston & Co:
Als ich begann nach Informationen über diesen Importeur zu suchen, hatte ich wenig Hoffnung viel zu finden. Was mir vorlag war lediglich eine Wiking-Auslands-Bildpreisliste von 1963 der eine Preisliste von Nathan R. Preston & Co beigelegt war. Gestempelt ist beides vom "Pilot Model Shop" in Chicago, diese Listen wurden vor einiger Zeit in beachtlicher Anzahl bei ebay angeboten, nachdem der Verkäufer sie aus den USA ersteigert hatte. Vermutlich wurden sie bei der Auflösung dieses Geschäftes entdeckt, denn bis vor wenigen Jahren hat es noch existiert, scheint nun aber verschwunden zu sein.
Die Recherche per Google ergab, dass Nathan R. Preston es in verschiedenen Rollen zu einer gewissen Bekanntheit gebracht hatte. Außerdem führte sie zu seinem Neffen, dem ich viele der nun folgenden Informationen verdanke.
Vielen Dank an dieser Stelle an Jay W. Preston für diese Informationen!
Special Thanks to Mr. Jay W. Preston for providing these information!
Nathan Robinson Preston (benannt nach Sergeant Nathan Robinson, einem Veteran des Unabhängigkeitskrieges) kam im Zweiten Weltkrieg als amerikanischer Soldat nach Deutschland. Erzählungen zufolge soll er, nur ausgestattet mit einem Jeep inkl. Fahrer sowie einem Maschinengewehr, die Stadt Bamberg quasi im Alleingang erobert/befreit haben. Ob das stimmt lässt sich wohl nicht mehr klären, allerdings dürfte sich die Gegenwehr angesichts des fortgeschrittenen Krieges und der nahenden russischen Truppen in Grenzen gehalten haben, so dass man sich für den Amerikaner als "kleineres Übel" entschied. Preston blieb in Bamberg, anfangs als "Military Governer", dann als "District Commander" der örtlichen US-Streitkräfte und schließlich 1949 bis 1952 als "Resident Officer". Noch heute befindet sich auf dem dortigen US-Stützpunkt eine "Preston Hall", die vermutlich nach ihm benannt ist.

Preisliste von 1963
Nach seiner Entlassung aus der Armee kehrte er in die USA zurück und begann etwa 1956 zusammen mit Leo Winkler deutsche Spielwaren in die USA zu importieren, dazu gehörten u.a. Hermann Teddys und Märklin Modelle. Märklin musste er allerdings bald wieder aufgeben, da er noch nicht groß genug war um als alleiniger Importeur aufzutreten. Ab 1961 begann er sich auf den Modell- und Hobbybereich zu konzentrieren und importierte von Des Plaines, Illinois, aus, hauptsächlich ROKAL TT, sowie dazu noch Wiking (Autos und Schiffe), Faller, VollmerPerm Motoren, Wilesco Dampfmaschinen und Schiffe von Hansa und anderen Herstellern. Damit bot Preston Artikeln an, die ansonsten kaum in den USA zu bekommen waren und teilweise exklusiv von ihm dort vertrieben wurden. Unter dem Namen "NRP Hobbies" bot man bald ein umfangreiches Sortiment im Bereich Modellbahnen und Schiffsmodelle an.
Soweit ich weiß, nutzte "NRP Hobbies" keine eigenen Verpackungen für die Wiking-Modelle, sie trugen allerdings zumindest um 1962 den runden blauen Export-Aufkleber.
Anzeige von 1979/80

Um 1968, als ROKAL die Produktion einstellte, kehrte Preston nach Bamberg zurück, wo er zusammen mit Winkler ein Hobby-Geschäft eröffnete, das außerdem einen Versandservice anbot. Unter dem Namen "NRP Hobbies" inserierten sie jahrelang im "Modellbahn eisenbahn magazin" (s. links von 1979/80). Der Import in die USA wurde mit der Rückkehr nach Deutschland wahrscheinlich eingestellt.
Nathan R. Preston starb am 16.04.1983 im Alter von 67 Jahren in Bamberg, wo er auch begraben liegt.

Sonntag, 29. Mai 2011

Wiking im Ausland: USA Teil 1

In den USA haben mehrere Importeure versucht Wiking-Modelle zu vertreiben. Auch wenn Wiking dort nie richtig Fuß fassen konnte, haben es doch einige Modelle über den großen Teich geschafft.
Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg sollen dort Wiking-Schiffe verkauft worden sein, darüber habe ich allerdings, abgesehen von einer englischsprachigen Preisliste, keine Informationen. Nach dem Krieg spielten die USA als Besatzungsmacht eine wichtige Rolle, auch der Wiking-Firmensitz in Berlin-Lichterfelde befand sich im Amerikanischen Sektor Berlins. Viele US-Soldaten lernten die Wiking-Modelle während ihrer Stationierung, nicht nur während der Besatzungszeit, in Deutschland kennen und interessierten sich auch nach ihrer Rückkehr in die USA dafür. Manch einer bat seinen dortigen Händler, ihm die Modelle zu importieren. Das geschah auch, allerdings wurden dabei teilweise erhebliche Aufschläge durch die Importeure verlangt, so dass die (ehemaligen) Soldaten auch immer wieder persönliche Kontakte in Deutschland bemühten und so manches Wiking-Modell privat in die USA importiert wurde.
Bevor ich zu den Importeuren komme, noch ein kurzer Überblick über die Aktivitäten von Wiking in Richtung USA.
Kurz nach dem Krieg gingen viele Wiking-Modelle ins Ausland, dies dürfte wesentlich lukrativer gewesen sein, als der kaum vorhandene deutsche Markt, der zudem kurz vor einer Währungsreform stand. In dieser Zeit und auch nach der Währungsreform entstanden zweisprachige deutsch-englische Prospekte, die unter anderem eine Produktlinie bewarben, die extra auf den US-Markt zugeschnitten war (sein sollte), die Wiking-Life-Serie. Im Maßstab 1:50 wurden angeboten: Life-Truck, Life-Car Schrägheck, Life-Car Stufenheck, sowie ein "typisch amerikanisches" Einfamilienhaus. Sie geht genauso wenig in Serie wie andere Projekte der damaligen Zeit. Mit der Trans World Airline (TWA) gab es damals einen frühen Werbekunden, der immerhin 500 C 54 Skymaster bestellte.
Auch später versuchte Wiking in den amerikanischen Markt zu kommen, entsprechende Modelle wie der Lincoln Continental, Chevrolet LKW, International Harvester oder der US-Erdbeweger versuchen Kaufanreize zu schaffen, jedoch vergeblich. Der US-Markt lässt sich für Wiking nicht erobern, dass musste auch Peltzer einsehen, der extra 1964 die Weltausstellung in New York besucht hatte in der Hoffnung entsprechende Kontakte knüpfen zu können.
Doch nun zu den Importeuren, es gab gleich mehrere parallel. Dies sind: Con-Cor, Stevens International, Walthers, W.R.W. Imports sowie Nathan R. Preston & Co.

Con-Cor:
Con-Cor International Ltd. ist ein Modellbahnhersteller und Importeur aus Tucson, Arizona, und wurde 1962 gegründet. Viel ist mir über diese Firma leider nicht bekannt, Preislisten liegen mir nicht vor. Als gesichert darf gelten, dass Con-Cor in den 1970ern Wiking-Modelle in die USA importierte. Das Besondere ist dabei, dass die Modelle von Con-Cor neu verpackt wurden. Hier sieht man einen VW Golf I in einer solchen Verpackung, hier ist ein Chevrolet Malibu in Con-Cor-Verpackung zu sehen. Interessant ist, dass das Modell als "Golf" angegeben ist, nicht als "Rabbit", wie er in den USA angeboten wurde. Außerdem ist die Wiking-Nummer mit aufgedruckt.

Update: Bei ebay wurde ein MB 190 SL Cabriolet in Con-Cor Verpackung versteigert. Es handelt sich dabei um eine Blisterverpackung auf einer einfarbig orange bedruckten beigen Pappe. Das Modell ist die letzte Variante mit durchbrochenem Lenkrad, versetzt offener Achshalterung und dem hinteren Kennzeichen als Teil des Chassis (PSC 386/5, GK 253/5). Aufgrund des Export-Aufklebers mit "Made in Germany" stammt er vermutlich etwa von 1965. Der Export begann also schon früher als bisher bekannt.

Stevens International:
Stevens International ist ein Importeur unterschiedlichster Artikel im Hobby- und Modell-Bereich mit Sitz in Magnolia, New Jersey, bis 1981 in Cherry Hill, New Jersey. Die Idee zur Gründung enstand bei einem Besuch der Nürnberger Spielwarenmesse 1976. Dort wurden u.a. zahlreiche H0- und N-Modellbahnen gezeigt, die es bisher kaum in den USA zu kaufen gab. Stevens International begann Modellbahnen und Zubehör in die USA zu importieren und dort zu vertreiben. Im Laufe der Zeit wurde das Angebot immer mehr ausgeweitet und umfasst heutzutage ein breites Spektrum verschiedenster Hobby-Artikel. Bereits früh waren auch Wiking-Modelle mit im Angebot. Für diese wurden eigene Preislisten erstellt, die mit den Abbildungen der Wiking-Bildpreislisten versehen wurden. Solche Preislisten liegen mir von 1977 (weiß) und 1978 (gelb) vor, sie umfassen die Verkehrsmodelle, Veteranen und N-Spur-Modelle.
Teilweise werden bei den Preislisten die Wiking Bezeichnungen übernommen, z.B. "Jaguar Sport", bei anderen wird die in den USA gebräuchliche Bezeichnung genutzt, z.B. "VW 2-door 'Rabbit'" (VW Golf I), "VW 'Thing' Convertible" (VW 181), "VW 'Beetle'" (VW 1303), allerdings jeweils in Anführungszeichen. In der Liste von 1977 lauten diese Bezeichnungen noch "VW 1303-'Bug'" bzw. "VW 181 Convertible", vermutlich war den amerikanischen Kunden aber nicht klar was damit genau gemeint war. Die Wiking-Nummern werden beibehalten und stehen auch bei den Abbildungen, die einfach aus den Bildpreislisten ausgeschnitten und hier eingefügt sind. Kurios sind die Bezeichnungen "Streetcar (American Type)" für die alte Straßenbahn, sowie "Police Ambulance" für den VW T2 der Polizei. Die Preislisten sind gleichzeitig Bestellzettel und bei der Liste von 1978 ist in Klammern die Packungsgröße angegeben, vermutlich wurden einfach die Wiking-Schachteln verwendet. Demnach handelt es sich hierbei um Bestelllisten, die Stevens International als Importeur an Händler gab, sie waren nicht für den Endkunden bestimmt. Die Preise wurden von 1977 bis 1978 teils erheblich erhöht.
Stevens International verwendete für die Wiking-Modelle ebenfalls eigene Verpackungen ähnlich denen von Con-Cor, hier sieht man einen BMW 328 in entsprechender Verpackung. Angesichts der Mengenangabe in der 1978er Preisliste aber wohl nicht über den gesamten Zeitraum. Bis wann Wiking-Modelle importiert wurden ist mir nicht bekannt, heute sind sie nicht mehr im Angebot.

Zu den Importeuren Walthers, W.R.W. Imports sowie Nathan R. Preston & Co komme ich im nächsten Beitrag.

Freitag, 13. Mai 2011

Wiking im Ausland: Italien

Der Vertrieb von Wiking-Modellen in Italien wurde vom Modellbahnhersteller Rivarossi übernommen. Rivarossi wurde 1945 gegründet und ging 2003 in Konkurs. Die Marke Rivarossi wurde zusammen mit den zu ihr gehörenden Marken Arnold, Jouef und Lima von britischen Modell-Konzern Hornby (Vorsicht! Link mit Ton!) aufgekauft, zu dem u.a. die Marken Corgi, Humbrol, Airfix, Scalextric und Bassett-Lowke (Schiffssammlern vielleicht bekannt) gehören.
Rivarossi verkaufte die Wiking-Modelle als eine Art Sortiments-Ergänzung als Zubehör und Ladegut für die eigene Modell-Eisenbahn. Dabei wurden die Wiking-Modelle, die nicht als Ladegut auf den Rivarossi-Autotransportwaggons waren, in eigenen Einzelverpackungen verkauft. Diese sind die wohl auf dem deutschen Sammlermarkt häufigsten Exportverpackungen. Auch der Gelbe Katalog erwähnt sie bei einzelnen Modellen mit einem Preisaufschlag, wodurch der falsche Eindruck erweckt wird, nur diese Modelle wären so in Italien verkauft worden.
Der Import von Wiking-Modellen durch Rivarossi begann bereits in den 1950ern und endete vermutlich in den 1980ern. Laut Klaus-Dieter Hinkelmann war Rivarossi wohl daran interessiert, im Gegenzug seine Bahnen in Deutschland über Wiking zu vertreiben. Dies hat Peltzer aber wohl verschlafen oder war nicht daran interessiert.
Die Verpackung für die Wiking-Modelle änderte sich im Laufe der Zeit. Die frühesten mir bekannten sind diese Pappschachteln mit dem alten Rivarossi-Schriftzug (Schreibschrift). Bei dem hier gezeigten Deutz-Schlepper handelt es sich um mein ersten Modell mit einer Import-Verpackung, gekauft auf einer kleinen Börse in Lilienthal.





Später folgten dann ähnliche Schachteln mit modernisiertem Aufdruck, der Rivarossi-Schriftzug ist nun in Druckbuchstaben. Leider liegt mir kein solches Modell vor, ein Foto ist hier zu sehen.
Später, in den 1970ern wurden diese Beutel verwendet, so dass das Modell zwar sichtbar, allerdings kaum noch geschützt. Hier ein MB C111, mit schwarz-roter Tütenbeschriftung.

Später wurde das Rivarossi-Logo rot-blau, zu sehen bei diesen beiden Baufahrzeugen, einem MAN Muldenkipper und einem MB NG Betonmischer. Hier sieht man auch, dass Rivarossi für die Wiking-Modelle die Wiking-Nummern nutzte. Diese finden sich auch auf den älteren Verpackungen.
Im dritten Buch von Ulrich Biene finden sich auf Seite 54ff. Fotos dieses Betonmischers, der beiden Kartonverpackungen, sowie ein Rivarossi-Prospekt aus dem 1960ern. Dieses Prospekt verdient eine nähere Betrachtung. Zum Einen werden neben Automodellen auch drei Schiffsmodelle von Wiking angeboten. Leider geht aus dem Text nicht hervor ob weitere Typen verfügbar sind. Zum Anderen passen die angebotenen Modelle zeitlich eigentlich nicht zueinander.
Als Neuheit gekennzeichnet sind u.a. der Opel Blitz mit schräger Haube und der MB 1620 Koffer-Sattelzug, demnach dürfte die Bildpreisliste von 1965 sein. Mit abgebildet sind aber auch u.a. der unverglaste Opel Blitz, der unverglaste MB L3500 als Post-LKW, ESSO-Tankwagen und Muldenkipper sowie der Ford 3500 als ARAL-Tankwagen und Getränkewagen. Dazu noch weitere unverglaste Modelle, die ebenso wie die genannten bereits seit mindestens 5 Jahren nicht mehr im Wiking-Programm sind. Warum das so ist kann wohl nur spekuliert werden. Wurden Restbestände günstig ins Ausland "abgeschoben"? Hatte Rivarossi dermaßen große Lagerbestände alter Modelle? Ich weiß es nicht. Durch den Mix alter und aktueller Modelle sind Perspektive, Größe und Belichtung der Modelle sehr unterschiedlich. Auch bei anderen durch Importeure selbst gestalteten Bildpreislisten wurden gerne original Wiking-Aufnahmen verwendet, auch wenn das Layout dadurch uneinheitlich wurde.

Update: Bei ebay wurde ein Rivarossi-Katalog von 1969/70 versteigert, darin sind auch 12 Seiten Wiking-Modelle enthalten, davon eine mit Schiffen. Auch hier fällt wieder auf, dass sowohl aktuelle Neuheiten wie ein VW 411 gelistet sind, als auch ein VW Käfer und ein VW Karmann Ghia, beide noch unverglast und in Deutschland seit 10 Jahren (!) aus dem Wiking-Programm verschwunden. Vielleicht hat Rivarossi hier aber auch einfach alte Abbildungen für die nun verglasten Modelle genutzt.

Dieses Prospekt von Rivarossi stammt vermutlich von 1958/59 und zeigt eine auffallend kleine Auswahl von Wiking-Modellen. Es handelt sich um eine Doppelseite, etwas größer als DIN A4, auf der Rückseite ist ein Ausschneidebogen für ein Papierhaus. Vermutlich war das Prospekt in einer Zeitschrift eingelegt. Sollte dies wirklich die gesamte damalige Auswahl an Wiking-Modellen bei Rivarossi sein, so scheint die Auswahl der Modelle eher überraschend. Auch bei Importlisten anderer Länder fällt auf, das nicht immer das gesamte Wiking-Programm des jeweiligen Jahres angeboten wird, bzw. wie oben erwähnt, auch mal Jahrgänge gemischt wurden.